Ruhrpodcast – Bitte kein Popcorn auf den Boden werfen

Im Gespräch mit Kai Gottlob, Geschäftsführer des Filmforum Duisburg

Gegründet unter dem Dach der Duisburger VHS widmet sich das Filmforum seit 1959 der Filmkultur. Es erarbeitet medien-pädagogische Programme und bietet Veranstaltungen zu filmkulturellen Themen an. Zu den Aufgaben des vielfach ausgezeichneten Hauses gehört der Unterhalt zweier filmhistorischer Archive, die Präsentation und der Vertrieb von stadthistorischen Filmen, der Betrieb zweier Kinosäle in der Duisburger Innenstadt sowie die Organisation eines Sommerkinos im Landschaftspark Duisburg-Nord. Mit Kai Gottlob sprechen wir über Besonderheiten der Filmszene im Ruhrgebiet, Punks im Kinosaal und Lieblingsfilme. Und zum Ende des Gespräches haut er noch ein echtes Schmankerl raus, Stichwort: Geschichte des Ruhrgebietfilms.

»Am Anfang – also 1959 firmierte die Volkshochschule Duisburg noch unter dem Namen „forum“. So lag es nahe, Veranstaltungen zu filmkulturellen Themen unter dem Titel „filmforum“ anzubieten. Die Initialzündung dazu waren die neuen Werke von Ingmar Bergman, die man sich nicht nur anschauen, sondern auch diskutieren wollte. Elf Jahre später, 1970, wählte der SPD-Politiker und spätere Oberbürgermeister Josef Krings eine ungewöhnliche Methode, seine Ratskollegen von der Notwendigkeit institutioneller Filmarbeit zu überzeugen. Man muss dazu wissen, dass das deutsche Kino zu dieser Zeit noch von Pauker- oder Lümmelfilmen und Schulmädchen-Reports dominiert wurde und die waren Lichtjahre entfernt von jedem künstlerischen Anspruch. Krings griff während einer Kulturausschusssitzung zu einer Tageszeitung und las laut vor, was an diesem Tag in Duisburgs Kinos geboten werden sollte. Große Kunst kann es nicht gewesen sein. Am Ende des Vortrags stimmten die Ratsmitglieder -als erste in Deutschland- der Gründung eines Kommunalen Kinos unter dem Dach der VHS zu. Zum Start am 27. September 1970 brachte „Wenn die Kraniche ziehen“ von Michael Kalatosow Licht in die dunkle Duisburger Kinolandschaft. Die Premiere feierte man noch im großen Saal der VHS, bevor man in das „Studio M“ der damaligen Mercatorhalle zog.

1980 fand man dann ein eigenes Heim am Dellplatz. In dem nach dem Krieg wieder aufgebauten Haus mit langer kultureller Geschichte befand sich seit den späten 1940er Jahren auch ein Kino. Das filmforum richtete sich dort ein, verwöhnte seine Gäste mit dem gemütlichen historischen Ambiente und forderte es mit Filmreihen, Vorträgen und zahlreichen Diskussionen dazu heraus, das Kino als Kunst zu entdecken. Nicht nur Filmfreunde aus Duisburg kamen bald zum neu belebten Dellplatz, der in den folgenden Jahren auch Heimat für andere kulturelle Einrichtungen und Kneipen wurde. Das filmforum nutzte den Neustart und wurde schon bald mehr als eine reine Abspielstätte. Im Laufe der Jahrzehnte trug es eine Sammlung von alten Kinoschätzen zusammen. 

Ein visuelles Gedächtnis  

Heute gibt es zu rund 11.000 Filmtiteln zigtausende z.T. historische Plakate, Fotos oder Programmhefte. Neben Filmliteratur, alten Projektionsgeräten oder Filmkameras birgt die Schatztruhe des filmforum-Archivs echte Perlen der Filmkunst: Eine Filmrolle mit dem ersten Hund als Kinohelden konnte man ausfindig machen und den Klassiker „Gerettet von Rover“ aus dem Jahr 1905 archivieren. Gut sortiert lagern in den Regalen des Kommunalen Kinos neben Kopien von David W. Griffith Monumental-Epos „Birth of a Nation“ sehr seltene Streifen mit den Musiken des großen Komponisten Dmitri Schostakowitsch. Und selbst bewegte Bilder aus dem Geburtsjahr des Films 1895 fehlen nicht. Meilensteine der Kinogeschichte verwahrt das filmforum genauso sorgsam wie die filmischen Dokumente zur Stadthistorie – neuerdings digital auf Festplatten und immer noch klassisch schonend im Klimarchiv, das das Zelluloid vor dem Verfall bewahren soll. 


Filmische Zeitreisen  

Stadthistorie auf der Leinwand entwickelte sich in den 1980er Jahren zum Kassenschlager. Der bislang in den Archivregalen schlummernde Schatz mit vielen Filmen zur Geschichte Duisburgs verdiente mehr Öffentlichkeit. Das Kommunale Kino begann so Programme für die eigene Leinwand zu produzieren. Zwei Filme entstanden „Duisburg – 1914/45“ und „Duisburg – 1945/66“. Was kaum jemand weiß, die beiden stadthistorischen Skizzen und die später folgende DVD, kommentiert von Winfried Scharlau und Manfred Krug, gehören zu den meist gesehenen Filmen in Duisburg überhaupt. Die umfangreiche Sammlung wird zudem regelmäßig von deutschen und ausländischen TV-Sendern sowie Museen genutzt.

Duisburger Filmwoche  

Duisburgs bekanntesten Filmfestspielen bieten die Dellplatzkinos und die filmwerkstatt des filmforums eine perfekte Basis. Das wichtigste Festival für den deutschsprachigen Dokumentarfilm besitzt international ein hohes Renommee, von entsprechender Bedeutung sind die technischen wie räumlichen Möglichkeiten, die das filmforum ihm bieten kann.«

Zitat mit freundlicher Genehmigung.

Weiterführende Info: www.filmforum.de