Ruhrpodcast – Kunst kommt nicht aus dem Kopf!

Im Gespräch mit Cyrus Overbeck, Künstler aus Duisburg-Beeck

Am 8. Januar 2020 haben wir eine erste Folge mit Cyrus Overbeck im Ruhrpodcast gebracht. Wir sprachen seinerzeit über künstlerisches Arbeiten, das Werk an sich, Ölmalerei, Radierung und Druckkunst. Dieses Mal wollten wir über seine neuen Arbeiten sprechen, die über einen Zeitraum von mehreren Jahren in seinem Atelier entstehen werden. Allerdings verlief das Gespräch dann völlig anders.

Das Leid der Opfer

Schon seit zahlreichen Jahren und besonders aktuell setzt sich Cyrus Overbeck mit dem Leid der Opfer des Nationalsozialismus auseinander. So ist auch seine Aussage zu verstehen: „Jede zehnte Klasse sollte ein KZ besucht haben.“ Als Künstler verlangt er von der Politik gesellschaftsrelevante Aussagen. Seine Überzeugung ist, dass Bildung der einzige Impfstoff gegen die Dummheit ist.

Jeder Mensch ist hochgradig komplex

Laut Overbeck ist das Gefühl frei zu sein ein Grundbedürfnis des Menschen. Allerdings ist auch jeder Mensch durch Erfahrungen in der Kindheit beschädigt und verbiegt sich an Stellen, an denen er besser den Rücken gerade gemacht hätte. Hier kann Kunst zur Seite stehen und den Menschen stärken.

Die Angst muss raus!

Overbeck sagt: Wir müssen aufpassen, dass wir Technokraten nicht an die Macht gelangen lassen.“ Ein Künstler sei nicht darum bemüht, dass sein Werk verstanden wird. Dem Künstler tue meist etwas weh und wem etwas weh tut, der schreit auf. Das Gespräch kommt auf Jimi Hendrix und seine Deutung der amerikanischen Nationalhymne bei Woodstock. Ein Aufschrei, ein Werk, mit dem er kritisierbar wird. Doch eine Anfeindung der Kritik ist eine Auszeichnung für den Künstler, ist Overbeck überzeugt. „Wir haben die ganz massive Aufgabe, die Depression aus der Gesellschaft zu nehmen… Angst schafft Ausgrenzung und ist selbstzerstörerisch.“

Es muss nicht alles systemrelevant sein

„Wir müssen junge Menschen motivieren Philosophie zu studieren, Germanistik zu studieren.“ Es gehe nicht darum ausschließlich systemrelevante Inhalte und Fähigkeiten zu bedienen. „Wieso begegnen wir einem Künstler oder Lyriker respektlos, einem Physiker aber nicht?“ Heute sei der Andersdenkende wichtiger denn je. So wie früher essbares Brot aus der Brotfabrik kam, kommt heute geistiges Brot aus der Brotfabrik.

Und noch eins:

»Jeder bundesdeutsche Politiker handelt vor den Toren von Ausschwitz.«

Weitere Info:
https://de.wikipedia.org/wiki/Cyrus_Overbeck
www.durian-pr.de

• Fotocredit: Cyrus Overbeck vor einer Arbeit im Werden in seinem Atelier