Ruhrpodcast – Performende Künstler in Zeiten der Pandemie
Im Gespräch mit Till Beckmann, Schauspieler und Autor sowie Martin Kaysh, Kabarettist, Alternativ-Karnevalist („Geierabend“) und Blogger, aus Dortmund.
Wir wollten wissen, wie es in den letzten zwei Jahren für performende Künstler war und aktuell noch ist, da das Live-Geschäft aufgrund der Pandemie nahezu vollständig zum erliegen kam. Welche Folgen, nicht nur finanzielle, hatten Lockdown und Beschränkungen? Absagen, Psychohygiene, viel Aufwand, wenig Ergebnis? Dazu sprachen wir mit Till Beckmann und Martin Kaysh.
Erstaunlicherweise entwickelte sich ein kultureller Rundumschlag zu Themen wie Geierabend, Ostermarsch 1985, The Who, Schauspielen an sich, Versorgungsmentalität im Ruhrgebiet, Paketzusteller, prekäre Arbeitsverhältnisse, DKP und Bottrop.
Es wurde schnell, chaotisch und blitzgescheit. Hier macht Zuhören definitiv nicht dümmer.
Großer Dank an dieser Stelle an Werner Boschmann für die Kontaktvermittlung.

Biografische Notizen
Till Beckmann, geboren 1985 in Recklinghausen, entstammt einer Theaterfamilie. Er hat vier Geschwister, drei von ihnen arbeiten als Schauspieler. Schon vor seiner Aufnahme an die Hochschule für Theater und Musik Hamburg spielte er unter der Leitung von Frank Hörner und Gabriele Kloke beim theaterkohlenpott in den Flottmannhallen, mitten im Ruhrgebiet.Von 2006 an prägte er dieses Theater gemeinsam mit seinem Bruder Nils maßgeblich. Die Produktionen wurden zu verschiedenen Festivals eingeladen und mehrfach ausgezeichnet, zuletzt als Junges Theater des Jahres und beim NRW Theatertreffen für junges Publikum in Düsseldorf. Währenddessen führten Till Gastspiele und Engagements zu verschiedenen Theatern und Festivals. Darunter die Ruhrtriennale, die Duisburger Akzente, die Ruhrfestspiele, Theater Oberhausen, JES Stuttgart, Schauspiel Essen, Theater Dortmund, Schlosstheater Moers, FFT Düsseldorf, Comedia Theater Köln und das Kresch Theater Krefeld.Till Beckmann ist zudem als Autor, Sprecher und Veranstalter tätig. Gemeinsam mit seinem Bruder schrieb er das Drehbuch zu dem Kinofilm »Junges Licht«.Verschiedene Comedyprogramme, Leseshows und Kleinkunstprogramme brachten Till Beckmann mit Künstlern wie Hilmi Sözer, Adolf Winkelmann, Ketil Bjornstad, Ernest van der Kwast, Martin Walker, Michael Hofstetter und Peter Eisold zusammen.Mit seinen Geschwistern gründete er 2009 das Ensemble SPIELKINDER, hier werden Herzensangelegenheiten realisiert. Zuletzt eine Revue mit der die Geschwister gemeinsam mit Christoph Jöde, Charly Hübner und Uwe Frisch-Niewöhner zahlreiche Auftritte hatten.
Martin Kaysh ist Kabarettist, Alternativ-Karnevalist („Geierabend“) und Blogger. Er lebt freiwillig im Ruhrgebiet und betätigt sich zudem als Kolumnist im „Vorwärts“.
Aus der lokalen Presse entnehmen wir: „Martin Kaysh prägt mit seinem bissigen Humor den Dortmunder Geierabend. Der Steiger ist eine zentrale Figur in der Karnevalsveranstaltung. Das Publikum ist begeistert.“
Auf seinem Grubenhelm sitzt ein Plüschgeier. Wenn der schlaksige Martin Kaysh als Steiger zu Beginn eines Geierabends in den Kohlewagen steigt, haben alle was zu lachen. Nur nicht die, die im Ruhrgebiet für politische Peinlichkeiten verantwortlich sind. Deren Untaten spießt der 58-Jährige gnadenlos auf, mit einem bissigen, zuweilen sogar boshaften Humor. Der Steiger ist eine zentrale Figur in der Dortmunder Karnevalsveranstaltung Geierabend, die mit einer Mischung aus abgedrehter Comedy, herzblutvollen Ruhrgebietshymnen und Szenen mit Tiefgang bis Aschermittwoch für volle Hallen auf Zeche Zollern sorgt. Das Publikum sitzt an Biertischen, die Stimmung ist ausgelassen.
In diesem Jahr wird der Geierabend aufgrund der Pandemie erneut nicht stattfinden.
Nur zur Erinnerung:
Vorwärts und nicht vergessen,Worin unsere Stärke besteht!Beim Hungern und beim Essen,Vorwärts und nie vergessen: die Solidarität!
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