Ruhrpodcast Folge 167 – Begleiten durch die Trauer

Im Gespräch mit Claudia Ingenillen, Trauerbegleiterin aus Moers

Claudia Ingenillen war bereits vor sechs Jahren Ruhrpodcast zu Gast. Damals haben wir über ihr erstes Buch gesprochen, in dem sie über ihre schwerstmehrfach behinderte Tochter und das Leben mit ihr geschrieben hat. Seitdem hat sich viel verändert: Ihre Tochter ist im Januar 2024 gestorben. Claudia erzählt, dass sie danach mit Poetry-Slam und Texten begonnen hat und inzwischen auch als Trauerbegleiterin arbeitet.

Claudia Ingenillen und Zepp Oberpichler im Ruhrpodcast Studio. Foto: Durian GmbH

Gedanken und Erlebnisse festhalten

Claudia beschreibt, dass ihr das Schreiben in der Zeit nach dem Tod ihrer Tochter sehr geholfen hat. Sie habe ihre Gedanken und Erlebnisse festgehalten, um diese nicht zu vergessen und dennoch den Kopf freizubekommen. Später habe sie diese Texte in Reimform übertragen und auf der Bühne präsentiert. Besonders die Rückmeldungen von Eltern beeinträchtigter Kinder hätten ihr gezeigt, dass sich andere durch ihre Texte verstanden fühlen.

Trauer als körperlicher Stress

Claudia berichtet von ihrer eigenen Trauererfahrung. Sie erklärt, dass Trauer für sie auch körperlich als extremer Stress spürbar war, unter anderem mit stark erhöhtem Blutdruck und Herzrasen. Über Recherchen sei sie auf Trauerbegleitung gestoßen und habe sich dann in diesem Bereich ausbilden lassen. Sie betont, dass Trauerbegleitung mehr braucht als nur eigene Erfahrung.

Trauernde nicht ignorieren

Heute könne sie gut zwischen der eigenen Trauer und der Trauer anderer unterscheiden und dies auch trennen. Bei ihrer Arbeit begegne sie nicht nur Menschen, die einen Todesfall erlebt haben, sondern auch Menschen, die um Tiere, Beziehungen oder Lebensumstände trauern. Wichtig sei für sie, Trauernde nicht zu ignorieren, sondern ihnen manchmal einfach kurz Nähe oder ein Gespräch anzubieten.

Der Friedhof als lebendiger Ort

Zum Abschluss spricht sie über ihr aktuelles Buchprojekt, das auf einem Friedhof spielen wird. Dort gehe es um Trauer, Begegnungen und neuen Lebensmut. Der Friedhof sei für sie ein lebendiger Ort, an dem Gespräche entstehen und Einsamkeit überwunden werden könne.

Weiterführende Links

www.trauerbegleitung-moers.de
www.ruhrpodcast.de
www.durian-pr.de

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